Industriefotografie Stahlproduktion

Industriefotografie – wie entsteht ein gutes Foto?

Wie entsteht ein gutes Industrie-Foto? Was kann ich dazu beitragen, damit ein ausgesuchtes Motiv gut wirkt? Sie benötigen ein paar grundlegende Gestaltungsmöglichkeiten.

Der fotografische Blick – Unsere Sehgewohnheiten

In unserer Kultur folgt das Auge in Bildern der allgemeinen Leserichtung: Von links oben nach rechts unten. Daraus folgt Ihre Aufgabe, das Auge des Betrachters im Bild zu führen und vom schnellen Verlassen des Bildes zu hindern.

Unser Auge wird von Licht, starken Kontrasten, Linien geführt. Gesichter, Farbtupfer und helle Stellen ziehen das Auge magisch an. Nutzen Sie diese Erkenntnisse zum Gestalten Ihrer Bilder.

Fragen Sie sich: Wohin wandert mein Auge beim Betrachten eines Bildes? Was erregt meine Aufmerksamkeit? Üben Sie diese Aufgabe an möglichst vielen Bildern, die Sie zum Beispiel auf unserer Webseite finden. So trainieren Sie Ihren fotografischen Blick und können Elemente der Bildgestaltung immer erfolgreicher umsetzen.

Tipp für das Fotografieren: Schaffen Sie sich am Ort des ausgesuchten Motivs einen Überblick. Nehmen Sie sich genügend Zeit und betrachten Sie Ihr Motiv von allen Seiten. Erst danach beurteilen Sie Ihr Motiv durch den Sucher. Das regt die Phantasie an und führt oft zu ausdrucksstarken Kompositionen.

Beim folgenden Bild unter dem Bagger, musste ich mich in eine ungemütlich tiefe Position auf dem kalten,dreckigen Boden einlassen.

Weniger ist mehr – Mut zur Lücke

Ein Bild wird gut, wenn Sie alles Unwesentliche weglassen können. Dazu gehört auch ein ruhiger Hintergrund. Unser Auge kann nicht gleichzeitig auf einen Nah- und Fernpunkt fokussieren.

Wenn Sie zu viel auf Ihr Bild packen, hüpft das Auge von Punkt zu Punkt und kommt nicht zum Verweilen. Der Betrachter weiß gar nicht, was der Fotograf überhaupt ablichten und zeigen wollte. Das Bild wirkt unruhig.

Reduzieren Sie das Bild auf das Wesentliche.

Alles andere – Störende – müssen Sie aus dem Bildausschnitt entfernen. Weniger ist mehr!

Zeigen Sie nicht alles. Schneiden Sie Motive an. Unser Gehirn versucht dann, das Bild zu ergänzen und das Auge verweilt. Aber werden Sie nicht zu rigoros: Ein Bild, welches der Betrachter nicht einordnen kann, schreckt unter Umständen ab.

Motive, die so angeschnitten sind, dass unser Auge den Rest wieder ergänzen kann, werden als interessant wahrgenommen.

Mit Unschärfe gestalten – Wie entsteht ein gutes Foto?

Das funktioniert auch, wenn Sie Ihr Bild durch Unschärfe verfremden. Fesselnde Aufnahmen müssen nicht gestochen scharf sein. Regeln oder Gestaltungsempfehlungen können Sie brechen. Machen Sie das auch!

Muster und Strukturen

Gleich- oder regelmäßig angeordnete Motive haben einen besonderen Reiz. Muster können Sie mit Unregelmäßigkeiten unterbrechen und bringen damit einen Kontrast ins Bild.

Unendliche Mengen

Wie entsteht ein gutes Foto? Mit einer anderen Technik können Sie unendliche Mengen vortäuschen: Schneiden Sie den Bildausschnitt so zu, dass rechts und links, eventuell sogar vorne und hinten das Muster, welches sich wiederholt, angeschnitten wird. Unsere Augen sehen damit eine unendliche Menge, weil sie das Fehlende ergänzen – auch wenn das in Wirklichkeit gar nicht so ist.

Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt einer Chemieanlage. Es täuscht uns eine Fläche vor, die noch viel größer als abgebildet scheint. Und das nur, weil die Stahlträger und Details in allen vier Richtungen aus dem Bild laufen.

Unschärfe – Schärfe

Unsere Augen haben große Mühe mit einem scharfen Hintergrund. Das irritiert uns und lenkt vom ebenfalls scharfen Motiv ab. Während unsere Augen in Wirklichkeit das ausblenden, was wir nicht sehen möchten, kommt im fotografierten Bild diese Möglichkeit nicht in Frage. Das Problem müssen Sie technisch durch das Verringern der Schärfentiefe oder durch andere Freistellungsmethoden lösen.

Ein unscharfer Hintergrund muss nicht einfach Beilage sein: Sie können damit auch ansatzweise zeigen, was sich dahinter verbirgt und zum scharf abgebildeten Motiv passt. Die Schärfe des Hintergrundes können Sie mit der Blende (große Blendenöffnung, kleiner Blendenwert wie f/2.8), mit der Brennweite (je größer, desto einfacher) oder mit der Distanz Kamera-Motiv-Hintergrund steuern.

Ist der Hintergrund völlig unwichtig, machen Sie ihn auch möglichst unscharf und unbedeutend.

Regeln brechen

Wie entsteht ein gutes Industrie-Foto? Regeln helfen Ihnen, Ihre Bildgestaltung zu optimieren. Aber es gibt nichts Langweiligeres, als sich immer an die Regeln zu halten.

Brechen Sie immer mal wieder Regeln. Das kann überraschen!

Kippen Sie einmal einen Horizont oder bilden etwas aus 90° ab. Der Betrachter guckt das Bild an und überlegt, was ihn hier irritiert – und schon verweilt sein Auge im Bild. Was wollen Sie mehr?